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Q:
Wie geht es Dir momentan?
A:
Es geht so .... danke.
Q:
Momentan steht die Veröffentlichung von „Dead Lovers‘ Sarabande
(Face Two)" ins Haus - es scheint sich also um eine Fortsetzung
des ersten Teils zu handeln...! Ist er das wirklich, wenn ja,
in welcher Hinsicht, mehr musikalisch oder textlich/thematisch
?
A:
Jedes SOPOR-Album (bzw. jede Veröffentlichung) ist unweigerlich
immer eine Fortsetzung des Vorangegangenen .... und gleichzeitig
eine Vorbereitung auf das Folgende. Das ist nun einmal die Natur
der Dinge, da alles miteinander verbunden ist, und nichts einfach
aus einem, von allem gänzlich isolierten Vakuum heraus geboren
wird. Alles, was in diesem Raum-Zeit-Gefüge existiert, hat
(da wir die Zeit als linear wahrnehmen) eben auch eine Vergangenheit,
Gegenwart und Zukunft, ist eingebunden in eine Kette von Ereignissen.
Sobald
ein Album aufgenommen ist, höre ich doch schließlich
nicht einfach auf zu existieren, mein Leben und meine Arbeit –meine
Suche- gehen weiter. Alles ist im Begriff unaufhörlicher
Entwicklung und diese umfaßt jedweden Aspekt unseres Daseins...
-das Leitmotiv von SOPOR, der rote Faden, der alles miteinander
verbindet, heißt hier folglich Anna-Varney.
Was
"Dead Lovers´ Sarabande" anbelangt, so besteht
diese tatsächlich aus zwei Teilen, was von Beginn an auch
bewußt in dieser Form konzipiert war.
Q:
Das heißt doch aber, daß Du Dein musikalisches Schaffen
schon in voraus planst und es nicht einfach so, unweigerlich aus
Dir heraus entsteht! Oder wie konnte Dir bei FACE ONE schon bewußt
sein, daß es auch noch ein FACE TWO geben wird/muß
?
A:
Ganz einfach: weil ich das erste Stück, das ich empfing,
als das Abschluß- Stück des zweiten Albums erkannte...
–daher wußte ich nicht nur, daß „Dead Lovers´
Sarabande" aus zwei Teilen bestehen würde, sondern auch,
wie alles enden sollte. Auch wenn ich zu diesem Zeitpunkt noch
nicht wußte, wie FACE ONE beginnen würde, geschweige
denn, was genau sich in FACE TWO ereignen mußte/sollte,
so wurde mir doch versichert, daß sich am Ende alles ....
nun ja .... daß das Ende eben recht „versöhnlich"
sein würde... –ganz gleich, wie erschreckend die Reise bis
dahin auch sein möge. Und das phantastische ist: genau dies
ist letzte Woche geschehen ...., und die Narzissen standen in
voller Blüte !!!
Q:
Über den ersten Teil hörte ich, daß es darin konzeptionell
um das Thema Sterbehilfe geht. Dies scheint mir im zweiten Teil
nicht der Fall zu sein ?
A:
Was den Aspekt der Euthanasie anbelangt, so gibt es für mich
einen solchen Augenblick eigentlich nur im ersten Teil, thematisiert
in dem Stück „Sieh´, mein Geliebter, hier hab´
ich Gift". Wenn Du dies aber anders empfindest, dann ist
das auch völlig in Ordnung.
Q:
Worum geht es in „Dead Lovers‘...(Face Two) genauer ?
A:
Tut mir leid, aber ich kann Dir nicht sagen, worum es genauer
geht. Viel wichtiger scheint mir allerdings auch die Frage zu
sein, was die Stücke Dir sagen. Empfindest Du etwas, wenn
Du sie hörst? Und wenn ja, was?
Q:
Ja, ich empfinde etwas beim Hören Deiner Stücke und
nicht selten ist das ein Gefühl von Klagen und Leid, was
wohl in erster Linie durch die Art Deines Gesangs hervorgerufen
wird – er klingt oft so zerbrechlich, einerseits beängstigend,
andererseits freundlich und irgendwie vertraut! Insgesamt erscheint
mir Deine Musik nicht sehr erheiternd, sondern eher nachdenklich
stimmend...! Kannst Du vielleicht die einzelnen Stücke kurz
in ihrem Sinn und Bedeutung kommentieren ? Bitte !
A:
Nein, ich erkläre meine Arbeit nicht. Bitte versuche das
zu verstehen.
Q:
OK, ich versuche das zu verstehen – akzeptieren muß ich
es u.U. ja sowieso, oder?! Warum aber magst Du Deine Arbeiten
der Öffentlichkeit nicht erläutern...? Ich fände
es sehr interessant zu erfahren, welche Gefühle und Gedanken
in Dir existieren, wenn Du an Stücken von SOPOR arbeitest!
A:
Das ist leicht zu erklären: weil die wenigen Menschen/Wesen,
die SOPOR verstehen „dürfen"/sollen, es ohnehin verstehen
werden, auch ohne irgendwelchen Erklärungen... –das habe
ich mir nicht ausgesucht. Es ist vielmehr die Natur der Dinge.
Für
alle anderen hingegen, die sich (mehr oder weniger) für SOPOR
interessieren, ist es wichtig, daß sie ihren ganz eigenen
Zugang zu den Stücken finden, ohne dabei durch meine „Fremdinterpretationen"
beeinflußt zu werden. Ganz einfach deshalb, weil sonst eine
(relativ) unvoreingenommene Wahrnehmung nicht mehr (oder nur noch
sehr schwer) möglich ist. Die Aufgabe der Kunst, so wie ich
sie verstehe, ist es unter anderem, den Menschen zu sich selbst
zu führen. Über das Medium der Projektion soll er (verdrängte)
Aspekt seiner selbst erkennen... –doch wie kann das noch möglich
sein, wenn der Künstler ihm schon eine vorgefertigte Interpretationsvorlage
mitliefert ?! Selbst eine Andeutung kann da bereits fatal sein,
da es oftmals sehr schwer ist, sich wieder von diesen angebotenen
Bildern zu befreien, besonders dann, wenn sie sich schon im Bewußtsein
des Betrachters/Hörers eingeprägt haben und somit fast
untrennbar mit dem Kunstwerk verbunden sind.
Q:
Du beschäftigst Dich u.a. sehr mit dem Thema Tod und Sterben
- woher kommt dies – hast Du persönliche Erfahrungen mit
dem Tod gemacht?
A:
Ich bin mir gar nicht mal so sicher, ob es bei SOPOR primär
denn wirklich nur um die Themen Tod und Sterben geht, denn ich
wage zu behaupten, daß es eine Ebene gibt, die weit tiefer
liegt, als jene Bilder, die augenscheinlich lediglich sich selbst
illustrieren.
Q:
Weiterhin geht es um die Einsamkeit, richtig? Ich stelle mir Dich
als durchaus einsamen und zurückgezogenen Menschen vor, liege
ich da richtig? Wenn ja, warum ziehst Du Dich zurück?
A:
Vermutlich aus den üblichen Gründen wie Angst oder einfach
einem generellen Bedürfnis nach Einsamkeit, was sich aber
letztendlich wahrscheinlich alles auf eines zurückführen
läßt... –eine alte Wunde, ein alter Schmerz.
Q:
Wie und wo lebst Du überhaupt, es gibt viele Gerüchte?
A:
(....)
Q:
Wie wichtig ist Dir das Artwork Deiner Veröffentlichungen,
die Fotographien sind meist sehr gelungen, gleichermaßen
aber sehr eigentümlich, für die „Schwarze Szene"
genau das richtige Futter, für Außenstehende sicher
sehr abschreckend oder gar ekelerregend.
A:
Es gibt keine Trennung zwischen der textlichen, der musikalischen
und der visuellen Ebene ..., sie alle sind untrennbar miteinander
verbunden, schließlich repräsentieren sie denselben
... hm ... Gegenstand. Würde ich einem Bereich keine Beachtung
schenken, wäre meine Arbeit nicht nur unvollständig,
sondern ich würde jene Mächte, die mir dieses Geschenk
erwiesen haben, sogar beleidigen.
Aber
„ekelerregend" ? Darling, ich habe mich wohl gerade verhört,
oder?! Weißt Du denn nicht, daß, wohin Du auch schaust,
Du Dich stets nur selbst erblickst ?!?
Q:
Das es keine Trennung aller Bereiche geben sollte, finde ich sehr
schlüssig und auch gut so – es paßt bei Deinen Werken
auch alles sehr gut zueinander! Ich wollte auch nicht gesagt haben,
daß ich selbst die Photographien als ekelerregend empfinde,
vielmehr versuchte ich, mich mal in die Lage eines ganz durchschnittlichen
Menschen zu versetzen, dem man eine Deine CDs vorlegt – ich denke,
nicht wenige wären erschreckt, entsetzt, angeekelt – vielleicht
weil sie das alles nicht verstehen! Meinst Du nicht, daß
die Bilder von Dir mehr als seltsam auf die meisten Menschen wirken
müßten? Oder wolltest Du mit Deiner Antwort sagen,
daß alle, die die Fotos als ekelhaft empfinden könnten,
nur sich selbst darin erblicken – Du also allen Menschen im Spiegel
zeigen möchtest, wie verachtenswert sie vielleicht sind?
A:
Oh, es ist nicht meine Absicht, irgendwem einen Spiegel vorzuhalten,
schließlich schreibe/arbeite ich in ersten Linie für
mich selbst .... und ich schreibe ja eben auch nur über mich.
Gleichsam ist es aber die Natur des Menschen, daß er verdrängte
Aspekte seines Wesens -innere Konflikte- nicht (mehr) direkt an/in
sich selbst wahrnehmen kann, sondern sie (unbewußt) nach
außen projiziert, um auf diese Weise durch seine Umgebung
mit diesen eigenen Konflikten konfrontiert zu werden. Das passiert
unweigerlich... –und immer .... jedesmal! Ich habe noch nicht
einmal (großes) Interesse daran, irgendwen zu provozieren
–na ja, natürlich relativ gesehen (ha!)- dennoch wird dies
aber stets in irgendeiner Form geschehen. Auch gänzlich ohne
mein eigenes Zutun. Wie gesagt, es ist die Natur des Menschen,
bzw. seines Ego.
Wenn
sich also jemand von meinem Aussehen angewidert fühlt und
dies auch noch lauthals kundtut, dann macht er/sie in Wahrheit
lediglich eine (sogar sehr intime) Aussage über sich selbst...
–und das, ohne es zu merken. Bitte verstehe mich richtig, ich
sage nicht, daß „solche" Menschenkinder häßlich
oder gar verachtenswert sind, sondern das sie sich vielmehr selbst
-oder Teile/Aspekt von sich- (unbewußt) als häßlich
oder verachtenswert empfinden.
Q:
Wie und wo kommen die Fotos zustande?
A:
Auf die gleiche Weise, wie die Musik. Es gibt eine bestimmte Absicht,
die hinter allen Dingen im Verborgenen wirkt, da nichts ohne einen
Grund geschieht. Desweiteren glaube ich, daß für jeden
Text (zu einem Augenblick und Position in unserem Gefüge
von Zeit und Raum) auch eine bestimmte Form von Musik zugeordnet
ist.
Die
Konsequenz, die sich (für mich) aus dieser Vorstellung ergibt,
ist die, daß ich keine wirklich Wahl habe, was z.B. die
Auswahl der Instrumente oder das letztendliche Ergebnis anbelangt...
–jedenfalls nicht, wenn mein Ziel die Wahrhaftigkeit ist. Ich
kann eine Beeinflussung zwar versuchen, doch würden mich
die im Fluß befindlichen Kräfte sehr schnell in meine
Schranken weisen. Und zwar deshalb, weil die Erscheinungsform
der Musik bereits durch mich im Augenblick der Anrufung definiert
wurde! In der Tat scheint es so zu sein, daß die Interaktion
der KünstlerIn mit ihrer gesamten „Umgebung", sowie
dem Text (bzw. dessen NAMEN) diese Definition bestimmt.
Wenn
Du also berücksichtigst, daß gleiche, bzw. ähnliche
Dinge einander anziehen, dann erlaube mir, diesen Gedanken durch
folgendes Modell zu illustrieren:
Versuche
bitte, Dir einen leeren Raum vorzustellen. In seiner Mitte befindet
sich eine eigenartige Lichtquelle, die ihre Strahlen in
alle Richtungen aussendet. Diese Lichtquelle stellt die Essenz
des Liedes dar, auf das wir uns konzentrieren wollen.
Von
der charakteristischen Art und Weise in der diese Lichtquelle
pulsiert, werden nun die entsprechenden Geistwesen oder
Energien (Du kannst es nennen, wie Du willst) angezogen. Unserer
Einladung folgend, durchqueren sie den Raum und hinterlassen dabei
ihre Spuren.
Diese
Energien entsprechen der Instrumentierung sowie den Stimmen des
Liedes... –sie repräsentieren sie.
Betrachten
wir nun nach einer bestimmten Zeit das entstandene Szenario (also
sowohl den Raum, die Lichtquelle als auch die hinterlassenen Spuren),
so erhalten wir ein symbolisches Equivalent des Augenblicks, wenn
Musik und Text sich vereinen.
Q:
Das heißt also, daß Deine Musik nicht direkt von Dir,
Anna-Varney, sondern von einer Höheren Macht erschaffen wird?
A:
Nein. Gleichwohl ich daran glaube, daß die Musik -(bzw.
alle künstlerischen Werke im allgemeinen)- bereits
existiert und letztendlich nur noch (wieder-)gefunden werden muß,
so ist der eigentliche Prozess der Manifestation, der genauen
Erscheinungsform der Kunst (quasi ihr Geschmack, wenn Du so willst),
doch abhängig von der ganzen Person/Persönlichkeit des
Künstlers, sowie -natürlich- auch von seinen Fähigkeiten.
Anders
ausgedrückt: gib einhundert Künstlern die gleiche Aufgabe,
und Du wirst am Ende doch einhundert verschiedene Werke erhalten...
Q:
Wo ist eigentlich der Unterschied zwischen Anna-Varney, SOPOR
AETERNUS und dem Ensemble Of Shadows zu finden – wer ist oder
verkörpert da wen?
A:
Es gibt keinen Unterschied .... Anna-Varney ist SOPOR AETERNUS
und SOPOR AETERNUS ist Anna-Varney...- so einfach ist das.
Ein
Verständnis des Ensembles allerdings ist da vielleicht schon
etwas schwieriger, zumal ich in der Öffentlichkeit nicht
mehr darüber spreche. Früher habe ich das wohl getan,
doch dann habe ich recht bald feststellen müssen, daß
ich es selbst eigentlich lediglich im Ansatz verstehe. Auch ist
mir die Verbindung mit ihnen bei weitem zu intim, heilig (und
zu fragil), um bei jeder sich bietenden Gelegenheit darüber
zu plappern.
Q:
Nochmal zu Deinem Äußeren: läufst Du tagtäglich
so herum, wie man Dich von all den Abbildungen her kennt – ich
stelle es mir ziemlich schwierig vor, wenn Du so auf die Außenwelt
triffst... ?!
A:
Ja, das ist wohl ein weiterer Grund, warum ich das Haus nicht
so oft verlasse. Manchmal ist es in der Tat ... schwierig. Andererseits
hängt die Reaktion der Menschen auch immer damit zusammen,
was Du selbst ausstrahlst, bedingt dadurch, wie Du Dich (momentan)
fühlst. Bis zu einem gewissen Grad ist es also eine Frage
der persönlichen, emotionalen Tagesform.
Q:
Dennoch müßtest doch auch Du so banale Dinge wie „Einkaufen
gehen" erledigen, oder? Gehst Du dann so in den Supermarkt,
wie die Fotos Dich zeigen – Du könntest Dich ja auch anders
kleiden, um den Reaktionen der Menschen zu entgehen? Welche Art
von Reaktionen gab es denn von Menschen, die Dir so begegnet sind
(wie Du oben geschrieben hast...) ?
A:
Was gibt es denn jetzt auch noch an meiner Kleidung auszusetzten,
hä ?! Aber mal ernsthaft, Du scheinst hier einen entscheidenden
Faktor nicht zu verstehen: für eine Person, die wahrhaft
„schwarz" ist, gibt es diese Option nicht! Wenn das Äußere
eine Entsprechung des Inneren ist, dann hat diese Person keine
andere Wahl, als sich so zu geben, so zu er-scheinen, wie sie
es tut .... –wie das Leid, der Schmerz es verlangt. Natürlich
gilt dies für alle Menschen, doch ab einem bestimmten Grad
an (Seelen-)Qual -und/oder Sensitivität- besteht einfach
nicht mehr die Möglichkeit, sich dem Inneren Drang entgegenzusetzen.
Ganz einfach deshalb, weil allein schon der bloße Versuch
den Schmerz nur noch immens verstärken würde! Das Leid
ist so allesverzehrend, daß es in irgendeiner Form nach
außen getragen werden muß.
Für
Menschen, die diesen Weg durchlaufen haben, ist es -besonders
noch während der Phase des eigenen Leids- ein Leichtes zu
erkennen, ob eine andere Person, die sich ähnlich verhält,
nur vorgibt, so zu sein .... oder ob sie tatsächlich leidet.
Als
ich damals anfing, mich schwarz zu kleiden, war dies ein schrittweiser
Prozeß ...., nichts, was von heute auf morgen geschieht...
–eben eine natürliche Entwicklung. In meiner Isolation hatte
ich nicht mal die Spur einer Ahnung, daß soetwas wie eine
„Szene" bereits existierte, daß man sich längst
diverse Namen für diese „Erscheinung" ausgedacht hatte.
Als ich dann aber tatsächlich mit Leuten konfrontiert wurde,
die sich ähnlich kleideten und gaben, kann man sich vielleicht
vorstellen, wie groß meine Enttäuschung gewesen war...
–war deren Gehabe doch nichts weiter als Maskerade, reine Effekthascherei.
Und dies schon zu Beginn der ganzen Bewegung...
Aber
Du wolltest ja etwas über die Reaktionen in der Außenwelt
wissen. Nun, da gab es die ganze Palette: von der täglichen
Beschimpfung (in allen erdenklichen Varianten), mit Abfall beworfen
werden, angespuckt werden, Schläge angedroht bekommen, Schläge
tatsächlich bekommen, etc. etc...
Das
alles ist schon eine sehr schwere Prüfung, doch sie zu durchlaufen/überleben
hat unweigerlich eine Transformation zur Folge... - man gewinnt
an innerer Stärke.
Q:
Bist Du nun, ich weiß, daß das Geschlecht für
Dich an sich keine Rolle spielt, als Frau oder Mann geboren?
A:
Das würde ich so nicht unbedingt sagen, denn bis vor kurzem
hat meine eigene Geschlechtlichkeit, bzw. die Uneinheit mir ihr,
noch eine sehr große Rolle für mich gespielt. Kurz
gesagt, war es wirklich wenig angenehm, bisweilen sogar sehr schmerzvoll.
Aber mittlerweile geht es besser...
Q:
Da habe ich die Situation wohl falsch eingeschätzt – entnahm
nur einem älteren Interview eine Aussage dieser Art (ich
habe sie so interpretiert) – doch letztendlich hast Du die Frage
wieder einmal nicht eindeutig beantwortet, die –glaube mir- vielen
Leuten unter den Nägeln brennt. Ist Anna-Varney nun männlich
oder weiblich?
A:
Ich wurde in dieser Inkarnation als männliches Kind geboren...
Q:
Wie kann man sich einen Tag im Leben von Anna-Varney vorstellen?
A:
(...)
Q:
Welches ist Dein größtes Ziel?
A:
Erleuchtung... –yes, Babe!
Q:
Glaubst Du an Gott?
A:
Meinst Du die „Goldene Stimme aus Prag" ?
Q:
Nein, ich meinte wohl jene Beschreibung vom christlichen Gott,
die uns in dieser westlichen Welt und dem hier herrschenden Christentum
überall umgibt.
A:
Nein, diesen Glauben teile ich nicht.
Q:
Warum trittst Du mit Sopor Aeternus nicht live auf? Man könnte
das mit dem Ensemble of Shadows doch sicher sehr gut optisch und
akustisch inszinieren...?
A:
Ich befürchte, hier gibt es ein kleines Mißverständnis,
denn das Ensemble hat nichts mit den Gastmusikern bei unseren
Aufnahmen zu tun, auch wenn diese, meist ohne es zu merken, gelegentlich
von dem Ensemble beeinflußt werden.
Ich
sehe aber keine Notwendigkeit in der Wiederholung der Musik, lediglich
zum Zwecke der Unterhaltung irgendwelcher Leute, die ich noch
nicht einmal kenne. Warum sollte ich mich all dem aussetzen?
Q:
Dann meint ich die Musiker – dachte, es wäre so zu verstehen!
Dennoch – Motive könnten ja sein: Geld, neue Erfahrungen,
Kontakt mit Personen, die sich mit Deinen Werken auseinandersetzen...!
Aber
Thema Unterhaltung: wie findest Du es, daß Leute in der
Disco nach Deinen Stücken tanzen? Magst Du Discotheken und
was hältst Du von der sog. „Schwarzen Szene"?
A:
Nun, ich mache keine Tanzmusik, aber wenn jemand zu SOPOR tanzen
möchte/kann, dann ist das doch eine sehr schöne Sache.
Q:
Magst Du Interviews?
A:
Ich habe zu meiner Überraschung festgestellt, daß ich
einige Interviews tatsächlich mag. Interessante Fragen, die
mich zwingen, jedenfalls wenn ich nach einer aufrichtigen Beantwortung
trachte, bestimmte Dinge oftmals sehr genau zu hinterfragen. Fragen,
die ich mir aus eigenem Antrieb vielleicht garnicht selbst gestellt
hätte oder auf die ich nicht unbedingt gekommen wäre.
Q:
Möchtest oder kannst Du uns sonst noch etwas mitteilen?
A:
Hm ..., vielleicht soviel:
versuche
stets wahrhaftig zu sein, denn wann immer ein Menschenkind lügt,
tötet es damit einen Teil der Welt, da mit jeder Lüge
ein Teil von Dir selbst stirbt.
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